Ich mag die Vorstellung, dass ich irgendwann in ferner Zukunft irgendwo, wo auch immer, in einem sehr alten Schaukelstuhl sitze. Dieser steht in einem kleinen Garten. Es ist ein schoener warmer Fruehlingsnachmittag und die Aeste des Kirschbaumes spenden mir mit ihren Blaettern Schutz vor der Sonne. Meine Haare sind grau und im Nacken zu einem Knoten gebunden. Eine alte, geflickte Decke auf meinem Schoss, in dem meine gefalteten Haende liegen. Vor mir sitzen meine Enkelkinder und lauschen den Geschichten, die ich ihnen erzaehle, so wie man es aus alten Geschichten und Maerchen kennt.
Ich werde ihnen die Geschichten von einem kleinen Maedchen erzaehlen, dass zu Beginn viel zu grosse Angst vor der grossen weiten Welt hatte, das neugierig war, nicht ruhig sitzen konnte. Alles entdecken wollte und mit ihrer Neugier viel Schmerz erntete. Aber statt sich zu verstecken und seine Wunden zu lecken, lief das Maedchen immer weiter, bis es etwas fand, fuer das es sich zu kaempfen lohnte. Dann stand es auf und begann sein Leben in seine eigenen Haende zu nehmen und wenn es nicht gerade lief, so schrieb es ueber das, was es erlebt hatte. Schrieb die harten Worte auf, auf dass der Schmerz niemals vergessen werden wuerde. Mit diesen Erinnerungsstuecken, eingebrannt in ihre unschuldige kleine Seele, kaempfte sie immer weiter, bis es irgendwann nichts mehr gab, gegen das sie haette kaempfen koennen. Dann legte sie sich hin und ruhte sich aus. Sie schlief einen langen und tiefen Schlaf. Schatten zogen an ihr vorueber und immer und immer wieder durchlebte sie die Vergangenheit. Aber irgendwann, da wachte sie auf und lag auf ihrem Bett. Sie hielt eine kleine Kirschbluete in der Hand und laechelte. Sie stand auf und schritt in das Licht eines neuen Tages.
Genau diese Geschichte werde ich ihnen erzaehlen und dann werde ich die Kirschbluete in meinem Schoss betrachten und laecheln. Die kleinen Kinder werden aufstehen und umherlaufen, sie werden lachen und singen, bis meine Tochter kommt, mir sanft ueber die Haare streicht, mir einen Kuss auf meine Stirn gibt und die Kleinen zum Essen ruft.
Du wirst unter dem Kirschbaum stehen und laecheln, so wie du immer laecheln wirst, wenn du mich anschaust, so als ob du noch immer das kleine Maedchen siehst, dass dir damals geblendet vom Licht der strahlenden Sonne in die Arme lief, sich einfach fallen liess und beschloss, dass es von nun an zu Hause ist.
Wenn die Kinder dann im Haus sind, wirst du zu mir kommen, du wirst mich anlaecheln, meine Haende halten und den Kamm nehmen, der in meinem Schoss liegt und an dem ich die Kirschbluete befestigt habe und wirst ihn mir in die Haare stecken.